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Informationen zu meiner Motorradreise und vom Pilgern nach Santiago de Compostela

Montag,12. Mai 2014

Aufgrund der Wetterprognose mit Regenschauern am Nachmittag entschloss ich mich etwas früher loszufahren. Um 0830h fuhr ich nach einem Tankstopp (aus Fehlern kann man lernen) nach Figeac. Ich entschloss mich die Pilgervariante über Rocamadour zu nehmen. Es sind doch sicher schon 25 Jahre her, seit ich einmal dort war. Noch war es sehr ruhig. Die meisten Geschäfte öffneten erst gerade und noch waren keine Touristenbusse auf dem Parkplatz. Nach ca. 2h, mit einem Kaffee gestärkt, fuhr ich Richtung Cahors. Wiederum war ich fast alleine unterwegs und ich konnte, sofern es die Strasse zuliess, so dahinbrettern, wie es in der Schweiz nicht geht. Ich würde wahrscheinlich als Rowdy eingestuft. In Cahors besuchte ich die Kathedrale mit angegliedertem Kloster. Kurz nach 1230h wurde ich von einem netten Wachtbeamten aus der Kirche spediert. Es wird über den Mittag geschlossen. So machte auch ich meine Mittagsrast. Das vom Frühstücksbuffet mitgebrachte Sandwich schmeckte hervorragend. Dazu gab es noch eine Cola in einer Bar am Boulevard. Als ich fahrbereit auf dem Motorrad sass, grüsste mich ein Mann. Er sagte auf französisch wie es mir Schweizer aus Zürich ginge. Nach einem kurzen Palaver fragte ich noch nach dem Tourist Office. Da schlug er vor, dass er mit seinem Moped, welches in der Nähe parkiert war, mich zum gewünschten Ort zu bringen. Dadurch parkierte ich echt französisch direkt vor dem Touristenbüro auf dem Trottoir. Ich verabschiedete mich und staunte über die Freundlichkeit der Franzosen. Oder ist es nur wegen der Harley, der das Eis bricht. Eigentlich wäre Cahor Etappenziel für heute gewesen. Aber ich fühlte mich noch sehr gut und das Wetter machte auch noch keinen Strich durch die Rechnung. So entschloss ich mich Richtung Condom zu fahren. Als es dann gegen 1600h leicht zu regnen begann, suchte ich ein Hotel in der Nähe von Condom. Der Regenguss dauerte nur knapp 10 Minuten, sodass ich die letzten 50 km im trockenen fahren konnte. In Nérac fand ich eine Auberge, welche in Booking.com eine sehr gute Benotung hat.  Diese gute Note verdient die Auberge. Neben der Lage direkt am Wasser und einer sehr netten irischen Wirtin ist das Zimmer gegen den Fluss für 46 Euro fast ein Schnäppchen. Nach dem Wäsche waschen, Duschen und mit Uschi skypen, machte ich mich noch auf Entdeckungstour im Städtchen. Es gibt eine schöne Kirche, ein Schloss, romantische Gässchen und viele Restaurants. Also galt auch für mich, endlich wieder etwas Warmes zu mir zu nehmen.. Nach 5 Tagen unterwegs wurde mir heute klar, dass man sich auf dem Motorrad nicht ”finden” kann. Wohl kann man phasenweise an irgend etwas denken, welches aber mehr mit der Reise direkt zu tun hat, als so richtig sinnen zu können. Etwas Ruhe und Besinnung ist an den verschiedenen religiösen Orten möglich. Dort geniesse ich die Ruhe und kann die Seele baumeln lassen. Neben einem Touribus vom Kanton Schwyz mit grosser Viktorinox Werbung und einer Schar Schweizer in Rocamadour traf ich bei einer Kapelle aus dem 12. Jh. eine Schweizerin, welche schon etliche Tage von Genf aus unterwegs ist. Sie will noch weiter bis Santiago, was doch sicher noch ca. 1100 km sind. Ich bewundere diese Leute, vor allem weil ich jetzt die hügelige Landschaft, die einiges abverlangt, kenne. Tageskilometer: 274 km - Total 1164 km

Dienstag, 13. Mai 2014

Gemäss ursprünglicher Planung wäre heute eigentlich ein Ruhetag angesagt gewesen. So nahm ich es wenigstens etwas ruhiger. Frühstück erst um 0900h. Abfahrt um 1045h. Nach gut einer halben Stunde war ich bereits in Condom. Beim Tanken empfahl mit die Betreiberin den Besuch der Abbaye de Flaran, welche 8 km weg vom Jakobsweg sei. Das Zisterzienserkloster Flaran aus dem 12. Jh. ist eines der am besten erhaltenen Klöster im Südwesten Frankreichs. Im Innern waren verschiedene Austellungen (Malereien, Skulpturen, Jakobsweg in Midi-Pyrénées) zu sehen. Kurz nach 1200h fuhr ich  weiter bis zur Befestigung von Larressingle. Dort genehmigte ich mir das an der Tankstelle gekaufte Sandwich. In Eauze, im Zentrum des Armagnac, besuchte ich die Kathedrale. Gegen 1415h erreichte ich Aire de l’Adour. Dies wäre eigentlich das geplante Etappenziel. Wäre keine schlechte Wahl gewesen. Denn Aire de l’Adour ist ein schmuckes Städtchen am Fluss. Da ich mir heute sehr viel Zeit nahm, lag auch noch ein Halt in Pimbo drin. Am Kirchplatz gab es ein Pilgerzentrum. Deshalb tummelten sich dort viele Pilger. Ich kam ins Gespräch mit Pilgerinnen aus Tschechien. Alle suchten eine Unterkunft, denn scheinbar war es in dieser Gegend schwierig etwas zu finden. Ich fuhr weiter und suchte bald darauf auch eine Bleibe für die nächste Nacht. Booking.com sei Dank fand ich 50 km weiter  (2 Tagesetappen für einen Pilger) eines mir passendes Chambres d’Hôtes. Es lag viel weiter westlich. Erst nach der Aufklärung des Gastgebers wurde mir klar, dass ich am Jakobsweg  war, welcher in Tours startet. Da alle Wege in Saint-Jean-Pied-de-Port zusammen kommen liegen sie in dieser Gegend nahe beieinander. Ich landete in Sorde l’Abbaye. Ein sehr schmuckes Dorf mit Vergangenheit und einer Abbaye mit dem Status UNESCO Weltkulturerbe. Nach Dusche und obligatorischem Skype nach Hause schlenderte ich durch den empfohlenen Parcours im Dorf. Weshalb gibt es in Frankreich so schmucke Dörfer, wie ich viele gesehen habe und aber wieder verslumte, ausge- storbene Dörfer ohne jeglichen Reiz??? Wer auf christlichen Pfaden geht scheint Glück zu haben. Gewitterzellen links und rechts, plötzlich für wenige hundert Meter nasse Strassen, ab und zu leichtes Nieseln, aber ich blieb trocken. Der einzige Stress am heutigen Tag, war das ständige Ab- und Aufsteigen, um wieder etwas anschauen zu können. Ich habe nun über einen Tag Vorsprung auf meine “Marschtabelle”. Morgen bin ich in Spanien und erreiche endlich den Atlantik. Tageskilometer: 230 km - Total 1394 km

Mittwoch, 14. Mai 2014

Heute Morgen startete ich kurz vor 1000h. Das Wetter war schön, mit einigen Wolken gegen die Pyrenäen. Kurz vor St. Jean-Pied-de-Port fuhr ich bei einer Tankstelle vorbei, um meine Road King wieder in den alten Glanz zu bringen. Auf dem Weg traf ich noch den Dieter aus Speyer. Er ist mit einem Esel unterwegs und im Wagen hat er Alles, was er zum Leben und Schlafen braucht. Den Esel, mit dem er gestartet ist, musste er einschläfern lassen, weil er eine unheilbare Krankheit an allen 4 Hufen hatte. Der Martin hat er für wenig Geld in Frankreich gekauft. Während den gut eineinhalb Stunden im Pilgerdorf konnte ich die Zitadelle, das Pilgertor, die Pilgerkirche und die Pilgerstrasse sehen. Dazu kam noch die Mittagsverpflegung. Ich wollte eigentlich noch einen Pilgerstempel holen. Das Touristenbüro öffnet erst um 1400h und beim Willkommbüro standen die Pilger Schlange. Ich fuhr deshalb weiter. Irgendwann nach 1400h fuhr ich über die Grenze. Aber wie es eben zwischen den EU-Ländern üblich ist, sind sämtliche Zollinfrastrukturen weg. Da schon in Frankreich die Verkehrsschilder auch in Baskisch angeschrieben sind, merkt man auf den ersten Blick auch nicht, wenn die Sprache ändert. Mir ist aufgefallen, dass es plötzlich wieder Tunnels und Brücken gibt, die Autofahrer noch undisziplinierter und die Verkehrsschilder und Wegweiser noch schwieriger zum Verstehen sind. Die Landschaft änderte sich auch rapide. Bis nach San Sebastián war ich nur noch zwischen den Häusern und in den Industrie-gebieten. Dazu viele Verkehrsampeln und ständiges Stopp and Go. Aber nach San Sebastián änderte sich dies. Der vorgeschlagene Weg aus “In 8 Tagen ans Ende der Welt - der Jakobsweg für Motorfahrer” führte über den Hügel von Igeldo. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf San Sebastián und die Bahia de la Concha. Diese Bucht hat ihren Namen, weil sie die Form einer Muschel hat. Weiter fuhr ich meist am Meer entlang. Im Tourist Office in Zarautz holte ich noch einen Stempel und versuchte meine ersten spanischen Brocken an den Mann, resp. die Frau zu bringen. Ich erhielt auch die richtige Auskunft, wie ich zu meiner Bleibe für die nächste Nacht fahren muss. In diesem Agrotourismo wurde ich herzlich empfangend. Da ich dort nicht Abendessen konnte, fuhr ich die knapp 2 km zurück nach Getaria. Am Hafen des kleinen Fischerdörfchens nahm ich ein köstliches Nachtessen ein. Nun bin ich also in Spanien angelangt und der erste Tag ist sehr gut verlaufen. Etwas gibt es noch zu Frankreich nachzuliefern. Während der ganzen Fahrt durch Frankreich habe ich ausser einem Gemeindepolizisten, der mit Kinder einen chaotischen Verkehrsunterricht durchführte, keine weiteren Flics gesehen und auf den vielen Nebenstrassen gab es auch keine Radarkontrollen, welche in Frankreich scheinbar vermehrt eingesetzt werden. Wieso gibt es bei uns so viele Polizisten? Tageskilometer: 208 km - Total 1602 km

Donnerstag, 15. Mai.2014

Welch ein schöner Morgen. Das Motorrad war schon startklar, als ich um 0900h zum Frühstück ging. Dazu gerade noch eine Überraschung. Ein solches Frühstück hätte ich wirklich nicht erwartet. Es gab Kaffee oder Tee, Orangenjus, weisser und Serano Schinken, aufgeschnittenen Salami oder Corizo, Gipfel, Toast, Früchte, Butter und Konfitüre. Und das alles in einem Agrotourismo in Spanien. Als ich um 0940h weiterfuhr, war mein erstes Ziel das Touristenbüro in Getaria, welches um 0930h öffnet. Es gab um 0945h aber ein Schild “Komme gleich wieder”. Als 1005 h noch niemand im Büro war, fuhr ich weiter. In Zumaia hatte ich mehr Glück und bekam meinen Stempel. Nun aber ab nach Guernica. Das Museum schliesst um 1400h. Unterwegs gab es an einem schönen Hafen noch einen Café solo und ein Gespräch mit spanischen Wortteilen mit einem Einheimischen. In Guernica besuchte ich das Friedensmuseum und bummelte etwas durch die Stadt. In einem schönen Park gab es Tapas und dazu passend ein Cola Zero. Das nächste Ziel war Bilbao. Ich war im neuen Teil, hatte aber nach etwas mehr als einer Stunde genug. Das Herumfahren war sehr mühsam. So viele Ampeln und Schwellen habe ich noch nie gesehen. Ich bin heute sicher über 100 Schwellen gefahren, bis durch das ewige Bremsen fast die Finger an Kupplung und Gas abfielen. Die Fussgänger haben in Spanien ein Sonderrecht. Deshalb gibt es so viele Fussgägerübergange mit Ampeln oder Schwellen, damit man sicher nur mit 20 km/h darüber fährt und jedes Mal einen Schlag in den Rücken erdulden muss.  Velofahrer geniessen ebenfalls einen Sonderstatus. Man kann hier ohne weiteres zu zweit oder dritt nebeneinander fahren. Die Autos stauen sich und niemand regt sich auf. Ich entschied mich weiter zu fahren. Kurz nach Bilbao ist eine der wenigen Schwebefähren noch in Betrieb. Meine Route ging über diese Fähre. Für 1.05 Euro konnte ich über den Fluss setzen. Ein besonderes Erlebnis. Die N624 führte immer wieder am Meer entlang oder wenn es ins Landesinnere ging, gab sicher eine schöne Strecke durch den Wald mit vielen Kurven. Es erinnerte mich stark an die Route Nr. 1 in Kalifornien. Laredo ist auch eine Hafenstadt und das gewählte Hotel liegt ideal, nahe vom Strand und der Altstadt. Am ersten ganzen Tag in Spanien war mir schönes Wetter vergönnt. Die Temperaturen steigen. Heute war es am Nachmittag schon um die 24 Grad. Sommerjacke ohne Windschutz, ohne Pullover, Ärmel zurück gekrempelt. Wenn die vielen Schwellen und komischen Signalisationen nicht wären. Es gibt hier neben den Maximal Geschwindigkeit, die selten logisch ist, auch noch Tempoangaben für die Velofahrer.  Das Spanien fussballverückt ist, kann man praktisch im kleinsten Kaff sehen. An zentraler Lage gibt es zwischen den Häusern ein Fussballfeld mit künstlichem Rasen. Andere Länder, andere Sitten! Tageskilometer: 219 km - Total 1821 km