Donnerstag, 8. Mai 2014

Nun war es endlich soweit. Gegen 1000h verliess ich Greifensee. Zuerst noch ein Besuch bei meiner Mutter in Luzern und dann fädelte ich mit meiner Road King beim Schiffssteg in Luzern (dort wo ich meine letzte Pilgertour beendete) ein. Erstes Ziel war Stans., welches ich kurz vor 1200h erreichte. Ein Besuch beim Dorfplatz und der Kirche. Dort traf ich auch die ersten Fusspilger. Nach dem Einkauf der Zwischen- verpflegung fuhr ich weiter über Ennetmoos, Kerns nach Flüeli-Ranft. Besuch der Bruder Klaus Kirche, Mittagessen aus dem Rucksack und ein Kaffeeschwatz im Infocenter. Mit den besten Wünschen der Bruder Klaus Kerzen einpackenden Centerleiterin tuckerte ich entschleunigt über den Brünig, dem Nordufer des Brienzer- und des Thunersees entlang. Bei einem herrlichen Ausblick und dem Besuch der Kirche oberhalb Merligen gab es einen Zvierihalt. Nach einem Zwischenhalt bei der Stadtkirche (wegen Umbau geschlossen) und dem Schloss Thun fuhr ich nach dem Tankstopp Richtung Gürbetal - Riggisberg nach Schwarzenburg. Nach dem Rundgang über den Markt fuhr ich noch zur Kirche in Wahlern. Ich genoss den Moment in der Kirche, welche sehr schön gelegen ist, weil gerade ein Schülerchor Gospellieder sang. Anschliessend Einkaufen des Nachtessens und Fahrt zur heutigen Unterkunft. Dem Motto “Entschleunigung” oder Neudeutsch “Kontemplation” entsprechend schlafe ich in einem Gartenhaus. Der Harley steht in einem Schopf, vor dem angesagten Regen geschützt. Rückblickend kann ich feststellen: Der Start ist gelungen!. Ich fuhr mehrheitlich auf Nebenwegen und wann hatte ich schon mal Zeit für Flüeli-Ranft, dem herrlichen Ausblick über den Thunersee in Merligen oder einen Gang zum Schloss Thun. Der krönende Abschluss des Tages war sicher das Gospelkonzert in der Kirche von Wahlern. Tageskilometer ab Luzern: 154 km
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Informationen zu meiner Motorradreise und vom Pilgern nach Santiago de Compostela

Freitag, 9. Mai 2014

Kurz nach 0900h ging heute die Reise los. Freundlich verabschiedet von Beat Salzmann fuhr ich noch schnell beim Kirchgemeindehaus vorbei, um den Pilgerstempel von Schwarzenburg zu holen. Durch den Sensegraben fuhr ich nach Freiburg. Neben dem Besuch der Kathedrale liess ich es mir nicht nehmen und erklomm den Turm mit seinen 365 Treppen. Der Blick auf die Altstadt und die Umgebung war fantastisch. Weiter fuhr ich Richtung Romont. Nun zeigte sich die Umsetzung der Routenwahl. Immer möglichst nahe am Pilgerweg heisst: Durch kleine Landwirtschaftstrassen, ein eigentliches Miststockrennen. Wie beim Fusspilgern war ich fast immer alleine unterwegs. Ab und zu überholten ich mit dem Ruf “Buon camino” einzelne Pilger. Nur selten war ich auf einer Hauptstrasse um dann schon bald wieder über einen mit Kuhdreck verschmierte Strasse zu fahren. Nach einer Mittagsrast in Moudon cruiste ich Richtung Lausanne. Ich hatte durch die vielen Aufenthalte in Fribourg, Romont und Moudon Zeit eingebüsst, sodass ich vor Lausanne bis Morges die Autobahn nahm und mir den Weg durch die Stadt ersparte. Entlang des Genfersees gings Richtung Genf. Ich sah auf meiner speziell vorbereiteten Karte, dass der Pilgerweg durch die Weinreben oberhalb der Hauptstrasse und manchmal am See entlang verläuft. In Genf liess ich es mir nicht nehmen, beim Jet d’eau einen Halt zu machen. Den Weg zur Kathedrale fand ich wegen Fussgängerzonen, Einbahnstrassen und dem Verkehrschaos nicht. So folgte ich meinem Navi und war schon bald in Frankreich. Dies merkte ich auch, weil ich plötzlich von anderen Töffs und Autos überholt wurde, obwohl ich mich an die Geschwindigkeit von 90 km/h hielt. Einen Abstecher nach Chaumont unternahm ich, weil dort der Jakobsweg durchgeht und ich endlich die Markierung des Jakobsweg in Frankreich sehen wollte. Gegen 1700h erreichte ich Seyssel. Da ich kein “Chambres d’Hôtes” fand und mich die vorhandenen Hotels nicht reizten, fuhr ich etwas ausserhalb nach Corbonod. Ich fand ich in einem Schloss eine Unterkunft und konnte dort auch gleich das Nachtessen einnehmen. Rückblickend hatte ich wiederum einen sehr schönen Tag. Mit Ausnahme von ein paar verirrten Tropfen war es bewölkt, teilweise mit Sonnenschein. Trotz den nur 253 Tageskilometer war ich froh eine Unterkunft zu finden und nach einer Dusche sah alles wieder besser aus. Tageskilometer: 228 km - Total 382 km

Samstag, 10. Mai 2014

Im “Altersheim”,  wo ich übernachtet habe, gab es erst um 0830h Frühstück. Die Langzeitgäste begrüssten mich ganz freundlich und wiesen mich in die Gepflogenheiten des Frühstücks ein. Es gab Jus, Baguettes, Butter, Konfi und Kaffee oder Tee. Die Chefin brachte jedem noch 1 Croissant, weil es Wochenende war. Als ich mich kurz nach 0900h verabschiedete, wünschten mir die “Insassen” alles Gute für den heutigen Tag. Nach einer kurzen Fahrt war ich wieder in Seyssel. Nach einem kurzen Rundgang durch das typisch französische Dorf fuhr ich südwärts. Heute war vorgesehen, dass das Harley fahren im Vordergrund steht. Deshalb habe ich nur wenige Pausen bei Kirchen gemacht.  Bei einem Carfour habe ich aufgetankt und etwas für den Mittagslunch eingekauft. Auf einer Anhöhe vor La Chapelle-de-Seurieu war ein Wegweiser zu einem Aussichtspunkt. Dieser lag auf dem Jakobsweg. Weil Motorradfahrer nicht zu Fuss gehen, fuhr ich die 500 m über einen Schotterweg. Auf dem Aussichtspunkt traf ich eine deutsche Pilgerin, welche jedes Jahr während ihren Ferien einen Teil des Jakobsweges pilgert. Zügig ging es dem Rhoneübergang von Chavanay zu. Heute sah ich mehr “Stangengeuferi” als Pilger. In Frankreich scheint man am Samstag entweder Velo oder mit dem Rasenmäher ums Haus zu fahren! Beim Rhoneübergang sah ich das erste Mal mehrere Pilger. 7 Pilger in 4 Gruppen überquerten gleichzeitig die Brücke. Nachdem schon der 1. Teil des Tages ein Highlight in Bezug auf Streckenwahl war, wurde es jetzt so richtig geil. Breite Strassen, kaum längere geradeaus Fahrten, mal 30 Grad-, mal 40 Gradkurven, sodass man ständig zwischen 90 und 100 km/h durch die Gegend donnern konnte. Ich war mehrheitlich alleine auf der Strecke, nur ab und zu brausten französische Biker mit sicher 120km/h oder mehr an mir vorbei. Als ich gegen 1600h mein geplantes Tagesziel erreichte, entschloss ich mich, noch etwas weiter zu fahren. Rund 10 km vor Le Puy- en-Velay fand ich ein Hotel. Ich hatte einen gemütlichen Apéro mit Franzosen. Der Chef lud mich zum Pernod ein. Als er ein 3. Mal nachschenken wollte, lehnte ich dankend ab. Beim Nachtessen setzte sich ein französicher Hotelgast zu mir. Wir hatten eine angenehme Unterhaltung, auch wenn ich im Ausland nicht gerne über Politik diskutiere. Wieder einmal zeigte sich das andere Bild der Schweiz, welches die Ausländer haben. Nicht so negativ wie wir dies sehen. Rückblickend hatte ich wiederum einen sehr schönen Tag. Es ist nicht das erste Mal, dass ich im Massiv Central herumkurve. Und wiederum haben mich die Gegend und die motorradfreundlichen Strassen verblüfft. Tageskilometer: 231 km - Total 613 km

Sonntag, 11. Mai 2014

Heute Morgen hat es nicht so ausgesehen, dass ich heute trocken bleiben werde. Als ich aber kurz vor 0900h losfuhr, haben sich die Regenwolken schon verzogen. Nach 10-minütiger Fahrt war ich schon in Le Puy-en-Velay, dem Zentrum der französischen Pilgerei. Alles war noch ruhig. Die Pilgermesse war schon um 0700h. “Leider” verpasst!!?. Ich blieb gut 2 Stunden und besichtigte das Kloster, die Kathedrale und die Maria-Statue. Da ich schon das 4. Mal in Le Puy war, konnte ich dies schnell abschliessen und weiterfahren. Weil es so kalt und windig war, zog ich noch die Regenjacke an. Ich fuhr bis gegen 1300h und fand einen schönen Pilgerrastplatz mit geschlossener Kirche, aber vielen Picknicktischen, einem WC und einem Pilgerbrunnen. Ich kam in Kontakt mit einem französischen Pilgerpaar. Sie fanden meine geplante Reise toll, weil auch sie, wie die meisten Pilger nur auf kleineren Etappen unterwegs sind. Frisch gestärkt fuhr ich weiter bis nach Nasbinals. Nach dem Besuch der Kirche, einem wärmenden Kaffee fuhr ich weiter. Es folgte eine wunderschöne Strecke dem Lot entlang. Plötzlich zweigte die Strasse Richtung Golinhac ab. Eine sehr schmale Strasse führte in die Höhe um nach Golinhac wieder ins Tal zu gelangen. In Espeyrac machte ich einen kurzen Fotohalt und stärkte mich mit einer Orange vom Frühstücksbuffet. Lange Zeit führte meine Route über den Pilgerweg. Dass Le Puy das Zentrum zum Losmarschieren ist, erlebte ich Heute. Ich sah unterwegs mindestens 100 Pilger. Ich entdeckte auch, was mir noch fehlt: Eine Jakobsmuschel am Helm, so wie ich es bei Fahrradpilger entdeckt habe. In Saint-Côme-D’Olt, einem sehr schmucken Städtchen waren viele Pilger zu sehen. In der Kirche sass eine Pilgergruppe und gab ein Gesangskonzert. Dies war sehr feierlich. Gegen 1600h erreichte ich Conques. Schon die Parkplatzwärter am Dorfeingang und die vielen Autos liessen mich nicht Gutes ahnen. Ich konnte mit dem Motorrad bis zum Rathaus fahren, wo auch das Touristenbüro war. Ich holte mir einen Pilgerstempel und fragte nach Unterkunftsmöglichkeiten. Wieder viele Pilger und Touristen, praktisch alles ausgebucht. So suchte ich einen ruhigeren Ort und fuhr noch 46 Kilometer dem Lot entlang nach Capdenac. Es war ein spannender Tag. Etwas kalt und sehr windig. Ich war in Höhen zwischen 1100 und 1300 m/M unterwegs. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass durch den starken NW-Wind mein Kopf weg gezerrt werde. Die Halsmuskeln sind auf jedenfalls gut trainiert worden. Über weite Strecken hatte ich das Gefühl, die Franzosen hätten Heute Sonntagsfahrverbot. Ich fuhr stundenweise mit praktisch keinem Gegenverkehr oder mich überholende Franzosen. Tageskilometer: 277 km - Total 890 km