Reli’s Homepage Home Toefftouren Projekt Pilgerreise Pilgerreise Gaestebuch
Pilgern von 1. Tag 22.05.14: Vilalba - Baamonde --  122.9 - 103 = 19.9 km - Wetter VM leicht regnerisch, NM stark bewölkt
Nachdem es um 0615h noch stark regnete ging ich nochmals ins Bett und stellte den Wecker auf 0715h. Dann der Entscheid. Los geht’s. Um 0815h startete ich um dann gleich beim Platz vor dem Hotel einen Café solo zu trinken. Um 0820h marschierte ich dann endgültig  los. Kurz darauf passierte ich km 120.999. Durch kleine Gässchen und später über Feldwege verliess ich leicht steigend Vilalba. Nach ungefähr 3/4 h sah ich eine Pilgergruppe vor mir. Nach einer Stunde hatte ich sie eingeholt. Eine Fotosession und dann wanderten wir gemeinsam weiter. Es war ein Deutscher mit einer spanischen Frau und deren spanische Freunde. Nach ungefähr 20 Minuten hatte ich genug von der Angeberei über sportliche Erfolge des Deutschen und legte eine kurze Pause ein. Herrlich die Ruhe, welche nur durch Vogelgezwitscher, Hahn krähen oder Schafsgeblöcke unterbrochen wurde. Ab und zu, je nach Distanz zur Autobahn, hörte man Rädergeräusche. Um 0940h erreichte ich Alba (km 117.5). Ich zog den Pullover aus, weil das leichte Nieseln aufgehört hatte. Es deutlich wärmer war als noch gestern. Ich lief alleine weiter und genoss die Stille. Um 1030h erreichte ich die Bar Alejandro (km 113.4). Café solo und 2 Pitchos für 1 Euro. Die Bar war mit 7 Spanier aus 2 Gruppen gefüllt. Wie laut es war, muss ich wohl nicht weiter erklären. Wenn sich diese unterhalten hat man ständig das Gefühl, sie hätten Krach untereinander. Ich liess die Spanier ziehen und blieb noch eine Weile. Um 1045h lief ich weiter. Nach kurzer Zeit hatte ich die  Spanier wieder eingeholt und konnte sie bald darauf wegen ihrem Fotohalt überholen. Auch voraus gehend hörte ich deren laute Unterhaltung und legte einen Zacken zu mit dem Nachteil, dass ich die zweite spanische Gruppe einholte. Darunter war einer aus Rondo und konnte etwas Französisch. Wir gingen gut 20 Minuten miteinander. Dann hatte ich Hunger und machte um 1215h bei einer verlassenen Garage Halt. Brot, Salami und Lidlstengel. Um 1245h lief ich wieder los (km 106.0). Es waren also nur noch 3 km bis Baamonde. Um 1330h traf ich dort ein. Ein schönes Gebäude, welches ich als Touristenbüro wähnte. Ich wollte nach einem Zimmer fragen. Es war aber die Albergue, also die Pilgerunterkunft von Baamonde. Ich buchte ein Bett für 6 Euro und bezog meine Einweg-Bettwäsche. Nach Dusche, Waschen legte ich mich hin, um die Ruhe zu geniessen, denn die auch eingetroffenen Spanier sind zum Essen. Unterdessen sind noch Deutsche, Österreicherinnen und Franzosen eingetroffen. Im 8er Schlag liege ich mit einem Spanier (er war schon in Santiago und läuft jetzt zurück) und 2 jungen Österreicherinnen. Lichterlöschen ist um 2200h und Morgen muss man die Albergue um 0800h verlassen haben. Es gab viel Zeit und zu Erholen war auch zu wenig Grund nach nur knapp 20 km Marschdistanz. Ich schrieb an meinem Tagebuch und ging Wäscheklammern kaufen, weil der Wind meine gewaschene Wäsche ständig herunter blies. Ich ging zum Nachtessen ins Labredo, weil dort schon um 2000h gegessen werden kann. Im zweiten Restaurant des Ortes gab es erst ab 2100h etwas zu Essen und dies war mit Türschliessung im Albergue um 2200h zu knapp. Um 2130h war ich zurück im Albergue und legte mich mit Ohrenpfropfen zum Schlafen. Es gibt scheinbar früh Tagwache. Dank dem Tipp der 2 Österreicherinnen habe ich in Roxica für Morgen ein Bett reserviert, sodass die Aufteilung der Etappen etwas optimiert wird.
Nun ist es also soweit. Meine Pilgerreise zu Fuss kann beginnen. Im Vorfeld meiner Reise war vielfach die Rede von “sich suchen gehen” oder ähnlichem die Rede. Eigentlich weiss ich es selber nicht so ganz genau. Eines ist sicher, ich wollte etwas Spezielles machen und etwas aus dem Rentneralltag ausbrechen. Dazu kam natürlich die Freude am Motorradfahren. Während dem sogenannten Training in der Schweiz bekam ich Gefallen am Wandern und so sollte der Pilgerweg in Spanien nun einen Höhepunkt darstellen.Von den 120’000 oder mehr Pilger, welche jedes Jahr in Santiago eintreffen kennen die Meisten den wahren Grund für ihre Pilgerei auch nicht so recht. So oder so kommen während den langen Märschen viele Gedanken hoch und Erinnerungen erwachen zu neuem Leben. Wie aus den einzelnen Tagesberichten zu entnehmen ist, war ich nicht lange allein, mindestens nicht den ganzen Tag und vor allem auch nicht am Abend. Dies war während der Motogrino Zeit anders. Unsere ad hoc Gruppe, auch Familie genannt (ich war natürlich schon des Alters wegen der Vater) hatte einen gemeinsamen Leitsatz, der eine wichtige Wahrheit über das Pilgern und dessen Auswirkungen hat:
Der Weg entsteht, indem man ihn geht und blickst du zurück so siehst du den Pfad den du nie mehr betreten wirst
2. Tag 23.05.14: Baamonde - Roxica --  103 - 77.5 = 25.5 km - Wetter VM Regen, Regenschauer, NM Regen mit kleinen Aufhellungen
Um 0700h begann es in der Albergue unruhig zu werden. Um 0730h stand ich auf. Jeder war mit seinen Sachen und dem Packen beschäftigt. Um 0800h verliess ich die Herberge um gleich nebenan in der Bar ein Café solo und dazu ein Boccadillo mit Chorizo y Queso.  Um 0815h marschierte ich los. Nach einem kurzen Besuch bei der aus dem 14. Jh. stammenden gotische, im Stil der Romantik verzierten Kirchlein Santiago de Baamonde führte der Pilgerweg vorerst alles der Strasse entlang.Um 0850h überschritt ich die 100km Marke und gleich danach verliess ich die Hauptstrasse und der Weg führte durch schöne Wälder. Nach 2h und über 9 km mutterseelenallein erreichte ich eine Bar. Sie war wieder voll von Spanier. Als ich weiterzog kamen auch noch die 2 Deutschen in die Bar, welche auch in Roxica sein werden. Mit einem kleinen Zwischenspurt überholte ich die Spanier und war wieder alleine. Um 1200h erreichte ich Miraz, das eigentlich Etappenort wäre. Weil ich Morgen aber nicht 40km laufen will, kam mir der Tipp der beiden Österreicherinnen für Roxica gerade recht. Ich war froh, dass die Spanier, welche vor der verschlossenen Albergue standen in Roxica kein Platz mehr fanden. So bin ich diese wahrscheinlich für die nächsten Tage los. Nach dem Essen in der Bar in Miraz zog ich 1250h weiter. Der Weg führte leicht ansteigend durch eine eigenwillige, von Granitfelsen durchzogene Heidelandschaft. Die 10 km pilgerte ich wieder allein und erreichte Roxica um 1500h. Elena, die Herbergsmutter wies mich ein. Nun sitzen wir alle (die 2 Österreicherinnen, die 2 Deutschen, 1 Spanierin, 1 Argentinier) im Aufenthaltsraum. Nachtessen gibt es um 2030h. Gegen Abend hat sich das Wetter etwas verbessert. Sonst hat es den ganzen Tag geregnet, mal weniger, mal mehr. Ich brauchte meinen Poncho das erste Mal. Es stiegen plötzlich Erinnerungen auf, die vor 40 Jahren aktuell waren: Mit einem Regenschutz an militärischen Übungen demotiviert durch die Wälder zu irren. Der Unterschied: Ich wusste genau, wo ich war und war keineswegs demotiviert. Elena kochte uns 2 verschiedene Suppen. Dazu gab es Salat und wer Lust hatte, konnte noch etwas Fleisch haben. Es war sehr gemütlich und mit Englisch konnten wir uns alle miteinander unterhalten. Sonst war der Argentinier Dolmetscher zwischen dem Englisch und dem Spanisch. Nach dem Nachtessen spielten wir UNO mit spanischen Karten, wobei wir die Spanierin und den Argentinier in dieses Spiel einführen mussten.
3. Tag 24.05.14: Roxica - Boimorto --  77.5 - 51 = 26.5 km - Wetter ganzer Tag kein Regen, VM  leicht bewölkt, NM stark bewölkt
Heute gab es um 0700h Morgenessen, weil Elena die Hospederia danach in den Stall musste. Um 0750h verliess ich als Letzter die Herberge. Nach ungefähr einer halben Stunde lief ich auf den Argentinier aus Malta auf, wechselte ein paar Worte über den schönen Morgen mit ihm und zog alleine weiter. Nach über 1h traf ich auch die beiden Österreicherinnen, wechselte ein paar Worte und zog weiter. Nach 2h und fast 10 km wollte ich in Vilariño eine Pause machen. Die Bar hatte aber geschlossen und so zog ich pfeifend weiter. Komischerweise kamen mir immer Märsche aus meiner Dorfmusikzeit in den Sinn. Unterdessen wusste ich, das die beiden Deutschen Borkhard aus Berlin-Potsdam und Dirk aus Butzen in Sachsen waren. Borkhard war es auch, welcher den Spruch betreffend dem Weg zitierte, welchen er in einem Pilgerbuch unterwegs gelesen hatte. Mit dem 11h Glockenschlag erreichte ich Sobrado dos Monxes. Bald trafen auf dem Klosterplatz auch die Andern ein. Gemeinsam besuchten wir das Monasterio de Santa Maria. Dieses Kloster wurde 952 als Familienkloster gegründet. Ab 1142 war es ein Zisterzienserkloster. Es wurde laufend ausgebaut und ab 1630 wurde die Kirche angebaut. Mit der Verstaatlichung der Kirchen endete das Klosterleben und die Gebäude zerfielen. Ab 1954 begannen Mönche mit dem Wiederaufbau. Um 1145h gingen wir in eine der vielen Bars vor dem Kloster, um etwas zu Essen. Um 1245h marschierte ich wieder alleine los. Nach ungefähr 5/4 h musste ich eine Pause einlegen, weil meine Fersen brannten. Bebanthen plus und die Schuhe neu binden half und ich lief gut gelaunt und wiederum singend und pfeifend Richtung Boimorto. Kurz vor dem Ziel traf ich die beiden Österreicherinnen, Andrea und Isabella und wir tranken zusammen etwas im Garten einer Bar und genossen die Sonne. Gegen 1530h trafen wir in der Herberge ein. Es war noch eine holländische Bikerin dort. Sonst war “unsere Gruppe” alleine. Die Herberge wurde 2012 für 1,5 Mio. Euro gebaut. Die Albergue ist grosszügig gebaut und bietet viel Platz. Das erste Mal konnte man seine Kleider richtig aufhän- gen und das Gewaschene an den Radiatoren trocknen. Es hätte eigentlich Platz für 60 Leute. Borkhard, Dirk und Isabella gingen einkaufen und nach gemeinsamer Zubereitung assen wir zusammen Spaghetti, Salat und Früchte. Ich schlafe alleine in einem 8er Zimmer. Gegenüber allen Regeln bekamen wir den Schlüssel der Herberge und können heute Abend auch den Championsleague Final in einer nahe Bar im TV sehen und es gibt keine “Zimmerstunde”. Alles in Allem war es ein gemütlicher Abend, welcher kurz nach Mitternacht endete. Noch etwas zu den Preisen in Spanien. Ich trank an diesem Abend 2 Gläser Rotwein und der Wirt brachte uns Pitchos an den Tisch. Kosten: 1 Euro!!!
4. Tag 25.05.14: Boimorto - Santa Irene --  51 -  23.9 = 28.1 km - VM  auflösender Hochnebel,  NM bewölkt mit Schauern, 14 Grad
Es war eine etwas kürzere Nacht, denn wir kamen erst nach Mitternacht von der Bar zurück. Wieder einmal haben die Falschen gewonnen. Zwischen 0745h und 0800h liefen zuerst die Deutschen Borkhard und Dirk, dann die Salzburgerinnen Andrea und Isabella, dann Daniel der Argentinier und am Schluss ich los. Nach ca. 1 1/2 km war eine Bar geöffnet und wir trafen uns wieder zum Frühstück. Das Wetter war angenehm, der Morgennebel löste sich auf und es wurde immer wärmer.  Als wir wieder los liefen blieb ich eine zeitlang mit Daniel. Als er wegen seinen Knie- problemen etwas langsamer lief, zog ich alleine weiter. Gegen 1100h trafen wir in Arzua ein. Ich trank mit Jörg und Borkhard einen Kaffee und nach einem kurzen Besuch in der Kirche zog ich alleine weiter. Man merkte es gut, dass wir auf dem Camino Francés angekommen sind. Plötz- lich hatte es viele Pilger. Man hatte teilweise das Gefühl, man sei bei einer Hansi Hinterseer Wanderung. In A Calzada stoppte ich bei einer der vielen Bars am Pilgerweg. Es war kaum zu übersehen, die Pilgerei ist ein Geschäft. So viele Bars haben wir auf dem Norte nie gesehen. Auch Verkaufsstände für allerlei Pilgerwaren gab es dort nicht. Andrea und Isabella waren auch in der Bar. Später gesellte sich noch Daniel dazu. Wir zogen dann gemeinsam weiter, wobei ich bis nach Santa Irene mit Isabella lief. Kurz vor dem Ziel wurde das Wetter schauerartig und wir erwischten auch noch einen “Sprutz”. Wir erreichten die private Herberge um 1515h. Wie immer war Retablieren und Tagebuch schreiben ange- sagt. Es gab zwei grosse 20er Zimmer. Bevor das erste Zimmer nicht voll war, gab die Herbergsleiterin das zweite Zimmer nicht frei. Wir waren von Boimorto etwas verwöhnt. Ich bekam Bett Nummer 7 zugeteilt. Es war zu meinem Glück nahe beim Fenster und in der unteren Lage. Wie immer fehlte es auch hier an Möglichkeiten, seine nassen Ware aufzuhängen. Schon bald gingen wir in die gleich neben der Herberge befindliche Bar, welche erst vor kurzem eröffnet hatte. Wir entschlossen uns mal etwas früher das Nachtessen einzunehmen und auch bald ins Bett zu gehen. Böse Zungen behaupteten, dass die Ersten am Morgen schon um 0500h die Herberge verlassen werden. Nach dem Bezahlen brachte die Wirtin noch Kaffeelikörshots. Weil sich unsere Pilgerei ja schon bald endet, bestellten wir Nachschub und feierten noch etwas. Wie die vorherigen Nächte schlief ich gut, ich hörte dank Oropax ja weder mich noch die anderen schnarchen.
5. Tag 26.05.14: Santa Irene - Santiago de Compostela --  23.9 - 0 = 23.9 km - ganzer Tag bedeckt, einige wenige Sonnenstrahlen, 15 Grad 
Nachdem wir gestern Abend bereits ein bisschen vorgefeiert haben, wäre ich gerne noch etwas länger liegen geblieben. Aber gegen 0700h fing es sich im Schlafsaal zu regen. Scheinbar sind aber schon 2 Pilger vor 0600h fort gegangen. Andere gab es nicht, welche bereits heute um 1200h in Santiago die Pilgermesse besuchen wollen. Diese sind wohl schon gestern bis Pedrouzo oder sogar Monte de Gozo gelaufen. Ich zog wie gewohnt um 0730h als Letzter unserer ad hoc Gruppe los. Gegenüber allen Vorhersagen betreffend vielen Pilgern auf dem Camino Francés war ich über eine Stunde alleine unterwegs. Ich hatte scheinbar Glück, die Anderen der Gruppe erzählten von vielen Pilgern, die sie begegnet sind. In einem Waldstück waren 2 Letten, welche gegen eine Spende Kaffee, Süssigkeiten und Orangen anboten. Sie wollen so ihre 7000 km lange Rückreise finanzieren. Diese bestätigten auch, dass um 0500h bei totaler Finsternis die ersten Pilger schon durchmarschiert seien. Nach einem kurzen Schwatz, einem Kaffee und einer Orange auf die Reise lief ich weiter. Ausser dass mich ein paar jüngere Deutsche mit Tagesrucksack überholten und ich andererseits Japaner und Holländer überholte, war ich weitgehend alleine unterwegs. Ein Gefühl wieder in der Zivilisation zu sein, war das Geräusch von startenden Flugzeugen beim Flughafen von Santiago. Gesehen habe ich keine, denn rund um den Flugplatz ist ein Erdwall. Nach dem Flugplatz trank ich in einer Bar einen Café solo und ein Glas Zumo Naranja und ass dazu eine Art Madelaine. Gegen Mittag erreichte ich den Monte de Gozo und sah von weitem Santiago und die Kathedrale. Ich lief noch zum Denkmal hoch. Es folgte nun der Abstieg und der lange Weg durch die Vororte und neueren Quartiere von Santiago. Ich überholte einen humpelnden Spanier, der mir schon mal gratulierte. Er heisst Ignazio. Auch mir taten die Füsse vom vielen Asphalt laufen weh. Vor lauter Unterhaltung haben wir einen Wegweiser ver- passt und sind dann mit Durchfragen und sicher einem Umweg von 1 km kurz nach 1300h bei der Kathedrale eingetroffen. Gegenseitiges Fotografieren war angesagt. Nachher wollten wir unseren Pilgerbestätigung abholen. Wir hätten aber ca. 1 h warten müssen. Der Mann der Security sagte, dass es am Morgen gerade nach der Öffnung um 0900h am Besten sei. Da ich erst ab 1600h einchecken konnte, ging ich in ein Restaurant und ass Tintenfischringe und nachher Kartoffeln und Mellanzane alla Plancha. Ich hatte Facebookkontakt mit Daniel. Die Anderen sind auch gut angekommen. Sie gingen in Pedrouzo ins Dorf und assen in einer Bar das Frühstück. Wir treffen uns um 1930h. Nach dem Einchecken duschte und retablierte ich mich. Im Moment bin ich eigentlich froh, dass ich nicht mehr weiterlaufen muss. Die Pilger früherer Zeiten konnten sich nicht einfach in den Zug, ins Flugzeug oder wie ich in den Bus setzen, sondern mussten auch wieder den beschwerlichen Weg zurück in ihre Heimat laufen. Vor dem gemeinsamen Nachtessen hatte es beim Büro für die Urkunde weniger Leute, sodass wir noch anstanden und “La Compostela” abholten. Auf dem Heimweg kehrten wir noch in einer Cocktail- und Weinbar ein. Nach dem vielen Wein zum Nachtessen inkl. einem Carlo I° trank ich noch 2 Cuba Libre. Zum Glück war mein Heimweg nicht so lange und die Gassen eng. Seit langem musste ich mit Licht einschlafen, weil es doch im Kopf etwas drehte. “Alter schützt vor Dummheit nicht”.
6. Tag 27.05.14: Santiago de Compostela --  ganzer Tag bedeckt, einzelne leichte Niederschläge
Erstmals wieder ausschlafen. Auch wenn ich schon vor 0800h von anderen Hotelgästen geweckt wurde, konnte ich nochmals einschlafen und stieg nach 0900h aus den Federn. Nach einem Kaffee im Hotel machte ich mich gegen 0930h auf den Weg in die Altstadt. Die kleinen Strassen waren verstopft von Lieferwagen und die Stadt erwachte langsam. An einem sonnigen Platz genehmigte ich mir einen frischen Orangensaft und einen Espresso. Ich schrieb eine weitere Karte an meine Mutter. Danach spazierte ich zum Mirador, wo man eine herrliche Sicht auf die Kathedrale hat. Nach 1100h machte ich mich auf den Weg zur Kathedrale. Wir hatten für 1130h zur gemeinsamen Pilgermesse abgemacht. Als ich um 1115h Dirk traf, entschlossen wir uns, bereits nach Plätzen in der Kathedrale zu suchen. Weil das Hauptschiff und ein grosser Teil der Seitenschiffe schon besetzt war, belegten wir gleich eine Bankreihe und informierten die Anderen per SMS. Wir mussten die Plätze richtiggehend verteidigen. Eine halbe Stunde vor Beginn gab es nur noch Stehplätze, obwohl sicher 600 Sitzplätze vorhanden sind. Es war eine feierliche Messe und ein schöner Abschluss des Peregrinoteils meiner Reise. Nach der Messe wollten wir eine Führung über die Dächer der Kathedrale buchen. Es war alles ausge- bucht. So ging ich mit Borkhard und Dirk in die Hospederia San Martin zum Mittagessen. Danach war mal erst Siesta angesagt. Um 1700h öffnete das neue Pilgermuseum. Eine tolle Ausstellung in einem alten im Innern aber sehr modernem Haus. Viel Multimedia und interaktive Stationen machten den Besuch lohnenswert. Danach bummelte ich durch die obere Altstadt und entdeckte weitere geschichtsträchtige Gassen und Plätze. Um 1930h trafen wir uns zum letzten gemeinsamen Nachtessen. Auf Empfehlung eines Bekannten von Daniel gingen wir zu einem Argentinischen Restaurant. Ich habe mir so ein saftiges Steak vorgestellt. Aber die Parrillada war eine Grillfleischplatte mit viel fettigem Fleisch und gar nicht nach meinem Gusto. Danach der Abschiedstrunk in einer Bar. Ich hätte beim herzlichen Abschied fast geheult, denn irgendwie haben wir uns sehr gut verstanden und trotz der Altersunterschiede harmonierten wir sehr gut. Dazu kam natürlich auch die emotionalen Gefühle des Abschlusses der Pilgerreise. Dirk wird Morgen Richtung Finisterre weiterpilgern, Borkhard fährt mit dem Zug nach Madrid, Andrea, Isabella und Daniel haben ein Auto gemietet und fahren auch noch an die Küste und kehren für den Rückflug nach Salzburg am Samstag zurück. Daniel geht nach Barcelona und kehrt am 6. Juni nach Malta zurück.
7. Tag 28.05.14: Santiago de Compostela - Vilalba --  ganzer Tag bedeckt, gegen Abend Aufhellungen
Da mein Bus erst um 1430h ab Estacíon de Autobuses nach Vilalba fuhr, schloss ich mich nicht dem Frühstück der anderen um 0745h an, sondern schlief noch einmal aus. Da ich es gestern Abend bei einem Caipirinha beliess, hatte ich eine gute Nacht. Leider wurde ich am Morgen durch andere Gäste schon um 0700h geweckt. Als es wieder ruhig wurde, schlief ich nochmals ein. Nach der Morgentoilette packte ich den Rucksack und ging in die Hospederia San Martin zum Frühstück. Danach wollte ich nochmals mit einer Audiotour in die Kathedrale besuchen. Borkhard hatte dies empfohlen. Während einer guten Stunde durchlief ich nochmals die Kathedrale. Mit den Erklärungen des Audioguides erkennt man noch viel mehr, welches Bauwerk hier steht und wie viele alte Kirchengüter darin zu finden sind. Danach spazierte ich ein letztes Mal durch die stimmungs- vollen Gassen der Altstadt und ging danach ins Hotel. Ich schrieb noch das Tagebuch von Gestern und machte mich darauf auf den Weg zum Plaza Galizia, um dort mit dem Bus Nr. 5 zum Busbahnhof ausserhalb des Zentrums zu fahren. Nach dem Billettkauf war noch genügend Zeit für im nahe liegenden Restaurant etwas zu essen. Der Busbahnhof ist riesig. Neben einer flughafenähnlichen Schalterhalle gibt es um Unter- geschoss die Bussteige. Ich kam mir mit dem Rucksack etwas vor wie ein Backpacker auf Urlaubsreise. Die Fahrt nach Vilalba war spannend. Ab und zu querte man den Pilgerweg und einige Orte kamen mir bekannt vor. Vor allem die 3 km bei Baamonde, wo wir am 2. Tag der Hautpstrasse nach liefen. Ich sah den 100 km Grenzstein und die Ponte di San Alberte. Gegen 1630h checkte ich im Hotel ein. Meine Road King stand immer noch verlassen in der Garage. Alle Kleider auf dem Bett ausgelegt und für die Fortsetzung der Reise sortiert und eingepackt. Es kann losgehen für die nächste Phase meiner Reise.
Fazit
Während dieser Woche habe ich viel erlebt und dank dem Pilgern auch viel intensiver. Ich habe Gleichgesinnte getroffen, welche sich aus verschiedenen Anstössen auf die Reise gemacht haben. Da ich nur 5 Tage wandernd unterwegs war, kam ich natürlich nicht an meine physischen Grenzen. Ich merkte aber, dass mir das Pilgern irgendwie Kraft gibt und ich auch noch weiter gehen könnte. Im Nachhinein wäre doch ein Start in Ribadeo und 75 km mehr eine gute Variante gewesen. Das vielmals alleine pilgern gibt einem Zeit an Verschiedenes zu Denken. Ich habe aber während meiner bis jetzt 3 Wochen keine nennenswerte Entscheide getroffen. Auch bei den Vorsätzen ist es wie bei Neujahr, es muss nicht unbedingt sein. Ein Ziel habe ich aber bereits gefasst. Ich werde den Pilgerweg CH fertig machen, dh. von Luzern nach Genf. Vielleicht stimmt es halt schon, dass das Pilgern irgendwie süchtig macht. Aber ich möchte mein schönes Heimatland wirklich mal zu Fuss, mit einigen Etappen per Schiff durchquert haben. Ob ich je wieder einmal nach Santiago de Compostela kommen werde, weiss ich nicht. Man soll nie nie sagen. Das ungeplante Zusammentreffen mit anderen Pilgern auf dem gemeinsamen Weg nach Santiago um danach das Auseinandergehen, jeder wieder an seinen angestammten Ort, ist sicher auch etwas Besonderes am Pilgern. Ich danke Dir Andrea, Isabella, Borkhard, Dirk und Daniel für die gemeinsame Zeit. Es war toll mit Euch. Wenn ich schon beim Danken bin, dann geht der Dank auch an meine Frau Uschi, welche zwar immer noch etwas Unverständnis für meine Reise hat, dass ich so etwas erfahren durfte. Aufruf: In diesem Herbst und Frühjahr 2015 möchte ich den Plan bis nach Genf zu gehen, umsetzten. Wer möchte mich begleiten. Melde dich doch!
Caminante, no hay camino, se hace camino al andar. Al andar se hace camino, y al volver la vista atràs se ve la senda que nunca se ha de volver a pisar.
(Antonio Machado, Poesías completas. Espasa-Calpe S.A., Madrid (12) 1969.)